ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Es handelt sich um ein häufig im Kindesalter beginnende psychische Störung, die mit Einschränkungen in der Aufmerksamkeit und erhöhte Impulsivität der Betroffenen verbunden ist. Ob diese psychische Störung wirklich als psychische Erkrankung eingestuft werden kann, ist bei Experten umstritten. Manche Experten gehen davon aus, das ADHS lediglich eine besondere Form von Persönlichkeitsprägung darstellt. Man geht davon aus, dass etwa sechs bis sieben Prozent der Menschen durch ADHS-Symptome auffallen.

Wie zeigt sich die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und welche Konsequenzen ergeben sich für die Betroffenen?

Besonders im schulischen Bereich wird recht schnell zur Diagnose ADHS gegriffen, wenn der Schüler Konzentrationsschwierigkeiten hat, beim Lernen nicht so schnell mitkommt oder in sozialen Interaktionen mit Mitschüler oder Lehrern Schwierigkeiten macht. Erlebnisse von Versagen in Schulsituationen werden nicht auf besondere Probleme der Situationen zurückgeführt, sondern als Krankheit von Einzelnen eingeordnet. Je nach Schweregrad der Beeinträchtigung werden unterschiedliche Therapieformen empfohlen. Denkbar sind unterschiedliche Formen von Verhaltenstherapie, bei denen auch die Eltern therapeutisch einbezogen werden. Gute Erfolge können auch nach medikamentöser Therapie (Ritalin) festgestellt werden, doch es ist umstritten, ob diese Form der Therapie nicht langfristig problematisch werden kann.

ADHS als Verhaltensauffälligkeit bei Kindern

Phänomene der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung werden vor allem bei jungen Menschen als krankhafte Verhaltensauffälligkeit angesehen, während man bei älteren Menschen dazu neigt, ähnliche Phänomene als Ausdruck einer vielschichtigen Persönlichkeit zu deuten. Jungen sind von ADHS stärker betroffen als Mädchen. Hier sieht man es als kritisch an, wenn das Kind stark eingeschränkt in seiner Aufmerksamkeit ist und im höheren Maße als vergleichbare Kinder Entwicklungshemmnisse zeigt. Insbesondere dann, wenn das unerwünschte Verhalten stabil über viele sozialen Situationen gezeigt wird, geht man davon aus, dass therapeutische Maßnahmen erwogen werden sollten. Es ist schwierig zu unterscheiden, ob ein dauerhaft gestörtes Verhaltensmuster vorliegt oder ob lediglich besondere Lebhaftigkeit das Verhalten prägt. Gelegentlich kann beobachtet werden, dass einfache Änderungen im Umfeld der Betroffenen die Relevanz des ADHS-Phänomens in den Hintergrund treten lässt. Experten für ADHS raten daher zu einer genauen Diagnose, um fehlerhafte Einordnungen zu vermeiden. Auch die Ursachen für das Phänomen sind recht vielfältig. Es kommen biologische und soziale Faktoren als Ursache in Frage.

Therapie von ADHS: Medikamente oder Verhaltenstherapie?

Sehr häufig kommt als schnelle Therapieform der Einsatz von Medikamenten in Frage. Experten aber raten dazu, hier bereits darüber nachzudenken, wie man recht schnell die Medikamente überwinden kann, damit das Kind gemeinsam mit seinen Eltern neue soziale Verhaltensweisen einüben kann. Gegen einen so auf kurze Zeit begrenzten Medikamenteneinsatz gibt es wenig Vorbehalte. Problematisch kann eingeschätzt werden, dass die schnellen Erfolge mit Medikamenten dazu verleiten, auf weitere therapeutische Mittel zu verzichten. Langfristig bewährt haben sich Verfahren der Verhaltenstherapie, bei der alle Betroffenen einer problematischen Familiensituation einbezogen werden. Nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern und weitere Kommunikationspartner können ihr Verhalten abändern, um den Kindern mit ADHS-Einstufung eine neue Verhaltensperspektive zu bieten.

ADHS: Modediagnose oder Persönlichkeitsvariante?

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung gilt dann als behandlungsbedürftig, wenn die Symptome der Störung so stark werden, dass Konflikte in Sozialbeziehungen entstehen und die Betroffenen nicht mehr ausreichend Lernprozesse bewältigen können. Gelegentlich lässt sich auch beobachten, dass die Diagnose ADHS dann gerne ausgesprochen wird, wenn andere psychische Auffälligkeiten konstatiert werden können. Insgesamt ist zu beobachten, dass es in der westlichen Welt in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu einem starken Anstieg der Diagnose ADHS gekommen ist. Ob dies darauf zurückzuführen ist, dass die Belastungen für Betroffene stärker wahrgenommen werden oder ob die Umsetzung sozialer Normen mehr Aufmerksamkeit auf Abweichung produziert hat, ist umstritten. Insgesamt kann festgestellt werden, dass Normung und gesellschaftliche Erwartungen zugenommen haben. Man definiert bestimmte Körperhaltungen und Sozialverhaltensweisen als normal und ordnet andere Verhaltensweisen als unnormal oder anormal ein. Dies gilt auch für Disziplinfragen, Pünktlichkeit und Lernverhaltensweisen. Die Gefahr besteht, dass Verhaltensvariablen, die eigentlich ganz vielfältig sein können, eingeschränkt auf Normalverhalten als krank eingeordnet werden. Künstler und Wissenschaftler, die gegenwärtig sehr anerkannt sind, würden nach Anwendung dieser Maßstäbe auf ihr Kindheitsverhalten heute allzu schnell in der ADHS-Schublade landen.