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Autismus

Autismus ist eine tiefgreifende, stark beeinträchtigende und nicht heilbare Entwicklungsstörung, die bei Kindern in verschiedenen Altersstufen einsetzt.

Begriffsursprung und Definition
Der Begriff Autismus wurde durch den Schweizer Psychiater Eugen Bleuler im Jahr 1911 geprägt und leitet sich von den griechischen Wörtern „autos“ (selbst) und „ismos“ (Zustand) ab. Damals wurden zunächst schizophrene Menschen als autistisch bezeichnet, wenn sie sozial stark zurückgezogen lebten. Der amerikanische Psychiater Leo Kanner beschrieb den Autismus erst im Jahr 1943 als eigenständige Erkrankung mit deutlicher Abgrenzung von der Schizophrenie.

Autisten kapseln sich von ihrer sozialen Umwelt ab und haben Schwierigkeiten, zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen. Sie zeigen oft Beeinträchtigungen in der Sprachentwicklung und Kommunikationsfähigkeit und neigen zu stereotypen Verhaltensweisen und Bewegungen. Zusätzlich leiden Menschen mit Autismus oft unter Angst-, Schlaf- und Essstörungen und sind von einer eingeschränkten Aufmerksamkeit oder von Bewegungsunruhe betroffen.

Formen und Häufigkeit von Autismus
Im Wesentlichen werden vier verschiedene Formen von Autismus unterschieden:

Der frühkindliche Autismus, auch als Kanner-Syndrom bezeichnet, gehört zu den bekanntesten Formen der Erkrankung und zeigt sich bereits bei Babys. Häufig ist er mit geistigen Einschränkungen verbunden und bedingt nicht selten eine lebenslange Betreuung und Unterstützung. Betroffen vom frühkindlichen Autismus sind 2 bis 5 von 10.000 Kindern. Bei Jungen tritt die Störung 3- bis 4-mal häufiger auf, als bei Mädchen.

Der Asperger-Autismus beginnt bei Kleinkindern oder im Grundschulalter und gilt als schwächere Form der Störung. Da sich Intelligenz und Sprache meist ohne sonderliche Einschränkungen entwickeln, können Betroffene im Erwachsenenalter in der Regel ein autonomes Leben führen. Das Asperger-Syndrom trifft fast ausschließlich Jungen. Betroffen sind hiervon 3 von 10.000 Kindern.

Darüber hinaus unterscheidet man zwischen dem atypischen Autismus, bei dem es sich ebenfalls um eine mildere Form der Erkrankung handelt und dem Rett-Syndrom, das wiederum mit tiefgreifenden Entwicklungsstörungen verbunden ist und eine lebenslange Betreuung und Unterstützung der Betroffenen erfordert. Das Rett-Syndrom gehört mit 1 von 15.000 bis 20.000 Betroffenen zu den sehr seltenen Formen des Autismus und tritt ausschließlich bei Mädchen auf.

Ursachen und Therapieformen
Die Ursachen für Autismus sind nicht vollständig erforscht. Man geht davon aus, dass die Störung neurologisch bedingt ist und unter Umständen auch genetische Ursachen haben könnte.

Da Autismus nicht heilbar ist, verfolgen therapeutische Ansätze vor allem das Ziel, den Autisten in seiner Entwicklung zu unterstützen und seine Stärken und Fähigkeiten zu fördern. Ergänzend werden Verhaltenstrainings und alternative Therapien wie Kunst- oder Musiktherapie eingesetzt. Darüber hinaus spielt die Elternarbeit bei der Behandlung von Autismus eine wichtige Rolle.