Sozialtrainer | Lerntherapie

Schulbegleiter / Integrationshelfer

Revolution im Bildungssektor

Ende 2013 wurde in vielen Bundesländern ein Gesetz zur Inklusion erlassen. Damit wurde eine Vorgabe der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen umgesetzt. Es besteht seitdem für Menschen mit Handicap ein Rechtsanspruch auf einen Platz an einer Regelschule. Vorbei sind die Zeiten des Abschiebens und des Ausgrenzens behinderter Menschen. Was erst einmal gut klingt, bringt einige Probleme mit sich. Das Lehrpersonal beispielsweise ist überhaupt nicht auf die speziellen Bedürfnisse gehandicapter Schüler eingestellt und auch die Schüler selbst kommen ohne Hilfe nur selten zurecht. Und so bildet sich mit der Einführung der neuen Gesetze ganz langsam aber sicher ein ganz neuer Berufszweig heraus: Der Schulbegleiter bzw. Integrationshelfer.

Der Schulbegleiter/Integrationshelfer

Er wird gelegentlich auch Schulassistenten oder Individualbegleiter genannt. Es handelt sich dabei um einen Menschen der seinem Schützling bei der Bewältigung des Schulalltages hilft. Das bedeutet, dass der Integrationshelfer seinen Schüler mit in die Schule begleitet und dort auch mit ihm in der Klasse sitzt. Da die Art der Behinderung eines Kindes variieren kann gibt es keinen allgemein gültiges Verfahren oder eine Stellenbeschreibung. Die zu leistende Hilfe hängt ganz von den Bedürfnissen des Kindes ab und muss individuell angepasst sein und abgesprochen werden.

Was jedoch in jedem Fall ausgeschlossen werden kann ist die Aufgabe eines Hilfslehrers. Der Schulbegleiter ist nicht die Vertretung des Lehrers und darf nicht in den Lernprozess als Solchen eingreifen. Seine Aufgaben beschränken sich auf Hilfestellungen die primär das körperliche Wohlbefinden des Schülers in den Fokus rücken. Natürlich gehört dazu auch das Zurechtfinde in Gebäuden oder eventuelles Erklärungen der Aufgaben, falls etwas unklar geblieben ist. Die konkrete Aufgabenverteilung sollte idealerweise im Vorfeld neben den Eltern auch mit dem Lehrer besprochen werden.

Mögliche Behinderungen die eine Begleitung in den Unterricht erforderlich machen gliedern sich wie folgt:

  • Körperliche Behinderung: Dazu gehören beispielsweise Sinnesbehinderungen wie Taubheit oder Blindheit, Störungen des Bewegungsapparates die das Kind immobil machen, Stoffwechselstörungen wie beispielsweise Diabetes oder auch chronische Erkrankungen wie Multiple Sklerose.
  • Geistige Behinderungen: Dazu zählen Intelligenzminderungen jeglicher Art, das bekannte Down-Syndrom (Fehler in den Chromosomen), Behinderungen in Folge von Alkoholkonsum oder Unterernährung in der Schwangerschaft, Folgen einer Hirnhautentzündung oder aber die Schäden eines Unfalles.
  • Seelische Behinderungen: Psychische Störungen die den Alltag unverhältnismäßig beeinträchtigen sind auch ein Grund für eine Begleitung. Dazu zählen vor allem kognitive Funktionsstörungen die u.a. die Selbstkontrolle und die Aufnahme- und Handlungsfähigkeit betreffen.

Ausgeschlossen von dem Dienst als Schulbegleiter sind übrigens auch enge Verwandte. Dies hat zwei Gründe: Zum einen soll der Schüler ein gewisses Maß an Selbstständigkeit lernen und das geht nur ohne die Eltern bzw. die betreuende Person und zum anderen sind unmittelbare Angehörige nicht unabhängig und unparteiisch. Dies könnte bei Friktionen zu einer Störung des laufenden Schulbetriebes führen.

Wer es ganz genau wissen will und sich nicht scheut Gesetzestexte zu lesen, findet die rechtlichen Grundlagen für Eingliederungshilfen im §§ 53 und 54 des SGB XII.

Die Aufgaben eines Schulbegleiters

Verbindliche Regelungen gibt es bislang noch nicht, jeder Schulbegleiter muss sich prinzipiell den individuellen Gegebenheiten und der Behinderung des Schülers anpassen. Eine Unterteilung ist jedoch wenigstens formal möglich und zwar in Tätigkeiten die unterrichtsbezogen sind und solche, die außerunterrichtlichen Charakter haben.

  • Unterrichtsbezogene Tätigkeiten wären z.B. die Hilfestellung beim Verstehen der Aufgaben bzw. Übersetzung in eine Sinneswahrnehmung, die vom Kind verstanden wird, die Erleichterung des Gebrauches von Arbeitsmaterialien, die Verwendung spezieller Medien, oder aber die Vermittlung eines Ordnungs- und Organisationssystems. Auch die Begleitung auf Ausflügen und Gruppenreisen fällt in das Aufgabengebiet des Betreuers.
  • Außerunterrichtliche Tätigkeiten gliedern sich in pflegerische Aufgaben wie z.B. das An- und Auskleiden, Toilettengänge, Aufnahme der Mahlzeiten aber auch Hilfe auf dem Schulweg und bei Orientierung in Gebäuden sind gefragt.

Wie man es dreht und wendet, eines fällt auf: der Integrationshelfer sollte sowohl eine Affinität für soziale Aufgaben als auch die Liebe zu Kindern mitbringen. Geduld ist eine weitere wesentliche Eigenschaft, die in dem genannten Beruf unerlässlich ist. Neben diesen sogenannten „Soft Skills“ darf auch eine fundierte Ausbildung nicht fehlen. Diese erleichtert nicht nur die Suche nach einem Job, sie vermittelt dem zukünftigen Schulbegleiter auch Sicherheit in seinem Handeln.

Ein verlässlicher Partner im Sektor Aus- und Weiterbildung im sozialen Bereich: Sozialtrainer.de
Um optimale Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Integrationshelfer zu erwerben sollte man in jedem Falle eine Ausbildung absolvieren. Für Deutschland und die Schweiz bietet sozialtrainer.at fundierte Fernkurse, Workshops und Vorträge an. Die Dienste des Anbieters spezialisieren sich auf folgende Bereiche:

  • ADHS / ADS Training
  • Dyskalkulietraining
  • Legasthenietraining
  • Lerncoaching
  • Medienkompetenztraining
  • Outdoorpädagogik
  • Softskills Training

Die Fernkurse „Sozialtrainer“ und „Entwicklungstrainer“ vervollständigen das Angebot. Die Kurse und Trainings sind genau auf die Wünsche und Bedürfnisse der zu begleitenden Kinder abgestimmt. Wer schon ein konkretes Ziel hat, kann dies auch gern ganz individuell mit dem Team von Sozialtrainer.at besprechen. Ein geeignetes Angebot wird zeitnah auf die individuellen Wünsche abgestimmt.

Nötige Qualifikationen und rechtliche Situation in Deutschland
Eine genaue Beschreibung oder Vorschrift für die nötigen Qualifikationen in diesem Beruf gibt es in Deutschland bislang noch nicht. Bisher wurden Bundesfreiwilligendienstleistende oder Teilnehmer des freiwilligen sozialen Jahres zu dieser Tätigkeit herangezogen. Auch Studenten aus pädagogischen Berufen nehmen die Herausforderung einer Schulbegleitung gerne an und nutzen die Erfahrungen für ihren weiteren Werdegang. Menschen ohne spezielle Ausbildung haben jedoch meist große Probleme im Umgang mit den Kindern und stoßen nicht selten an ihre physischen und psychischen Grenzen. Das hat natürlich auch negative Folgen für die Lehrkräfte in den Schulen und die Stimmung in der Klasse.

Rechtlich gesehen ist die Aufnahme der Tätigkeit als Integrationshelfer ein hochoffizieller Prozess. Zuerst einmal muss natürlich die Chemie zwischen dem Kind, den Eltern und dem Helfer stimmen. Danach wird der Schulträger in den Prozess eingebunden. Die Finanzierung übernimmt im Falle von körperlicher oder geistiger Behinderung das Sozialamt und im Falle einer seelischen Behinderung das Jugendamt. Die Kostenübernahme nach SGB XII (körperlich oder geistige Behinderung) bzw. SGB VIII (seelische Behinderung) erfolgt nach Antragstellung. Bei einem solchen Prozess können Beratungsstellen sehr hilfreich sein. Auch andere Betroffene Eltern sind gute Informationsquellen. In jeder größeren Stadt gibt es Selbsthilfegruppen oder Informationspunkte, die ganz einfach über das Internet gefunden werden können.
Die Inklusion ist beschlossen und im Gesetz verankert. Aus diesem Grund werden die gestellten Anträge in den meisten Fällen bewilligt wenn ein besonderer Betreuungsbedarf vorliegt. Die Bewilligung bezieht sich auf ein Jahr, nach diesem Zeitraum wird erneut geprüft, in wie weit das Kind noch auf die Hilfe seines Betreuers angewiesen ist.

Es gibt noch eine zweite Möglichkeit, einen Schulbegleiter zu finanzieren: Das sogenannte Elternarbeitgebermodell. Dabei stellen die Eltern die Begleitperson selbst ein und versichern diese auch. Der Integrationshelfer muss jeden Monat einen Stundennachweis beim Sozial- oder Jugendamt abgeben und daraufhin bekommen die Eltern das gezahlte Gehalt für die Begleitung erstattet.

Streitfälle
Wo Ämter in die Zahlungsverantwortung genommen werden sollen, kann es schon einmal zu Meinungsverschiedenheiten kommen. So ist schon von Fällen berichtet worden in denen das Amt die Zahlung verweigern wollte, weil das Kind statt einer Regelschule eine Förderschule besuchen sollte. Diese Aussage in der Ablehnung ist unzulässig. Wenn ein Kind die formalen Voraussetzungen für eine Aufnahme an einer Regelschule mitbringt, ist der Kostenträger zu einer Finanzierung des Schulbegleiters verpflichtet.

Die Voraussetzung eine Regelschule zu besuchen wurde vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof im Jahre 2005 eindeutig geklärt: „Voraussetzung ist die Fähigkeit des Schülers, aktiv am Unterricht teilzunehmen, also er muss “überwiegend” in der Klassengemeinschaft unterrichtet werden, den verschiedenen Unterrichtsformen (nicht den Unterrichtszielen) der Regelschule folgen und dabei schulische Fortschritte erzielen sowie gemeinschaftsfähig sein. Darüber hinaus muss der sonderpädagogische Förderbedarf mit Hilfe des mobilen sozialen Dienstes erfüllbar sein.“ (Urteil vom 6. Juni 2005, Az.: 12 BV 03.3176; RO 8 K 03.1513)

Problematisch kann es werden, wenn ein zusätzlicher Betreuer als Begleitung in eine Förderschule eingebunden werden soll. Dies ist nur möglich wenn der zusätzliche Bedarf des Kindes vom Lehrpersonal nicht abgedeckt werden kann. Sollte es in solchen Fällen Probleme bei der Genehmigung von Anträgen geben, lohnt sich meist der Gang zum Rechtsanwalt.

Besonderheiten des Berufes als Schulbegleiter und Fazit

Gehandicapte Kinder in den normalen Alltag mit einzubinden ist eine sehr sehr gute Sache. Körperbehinderte Kinder haben zwar besondere Bedürfnisse, sind aber mit Nichten dumm. Ein prominentes Beispiel ist der bekannte Physiker Stephen Hawking. Auch Kinder mit geistiger Behinderung wie z.B. Autismus verdienen ihre Chance. Aktuell sind Computerunternehmen auf der Suche nach genau diesen Menschen denn sie bringen eine einzigartige Affinität zu Zahlen und logischen Prozessen mit. Der Mehraufwand lohnt sich also für alle. Die Mehrheit der Kinder mit Begleitung sind übrigens geistig behindert (ca. 84%), davon sind ca. 44% Autisten (Studie der Uni München).

Wichtig ist nun, dass die Betreuung des Kindes fundierte Fachkenntnisse hat und weiß was sie tut. Das liegt nicht nur im Sinne des Kindes sondern auch im Sinne des Betreuers selbst. Körperliche und psychische Grenzen sind bei der Arbeit mit behinderten Menschen und vor allem Kindern schnell erreicht. Wer also fachfremd ist, sollte sich ein gutes Fundament schaffen. Wer aus dem pädagogischen Bereich kommt (Erzieher/Innen, Krankenschwestern/Pfleger, Sozialpädagogen), darf sich mit der speziellen Materie von Kindern mit Behinderung auseinandersetzen und so sein Wissen vertiefen und optimieren.

Eine wichtige Besonderheit sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt: Der Integrationshelfer darf sich im Prozess der Betreuung keinesfalls in das innerschulische Geschehen der Klasse einmischen. Unterricht ist Aufgabe des Lehrers. Die Mitarbeit in Gruppenprozessen ist genauso tabu wie die Hilfe bei Aufgaben. Der Betreuer soll dem Schüler den Weg zur Normalität ebnen und nicht als hilfreiche Ratgeber fungieren, der alle Lösungen vorsagt oder sein eigenes Unterrichtskonzept verfolgt. All diese Dinge und auch rechtliche Gegebenheiten sollten durch Lehrgänge, Aus- und Weiterbildungen grundlegend erlernt werden.

Die Aufgabe, einen Schüler mit Handicap in seinem schulischen Leben zu begleiten ist etwas ganz Besonderes. Diese verantwortungsvolle Tätigkeit darf jedoch nicht unterschätzt werden. Dennoch ist der Beruf nicht nur ein Dienst im Sinne des Kindes sondern auch einer, der für die gesamte Gesellschaft wertvoll ist.