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Kanner-Syndrom - Frühkindlicher Autismus

Der frühkindliche Autismus

Wenn ein Baby nicht auf das Lächeln der Mutter reagiert, dem Körperkontakt ausweicht, dann löst dies Befremden und Sorge aus. Wenn es später in Panik verfällt, sobald sich in seinem Umfeld etwas noch so Unbedeutendes verändert, in stereotypen Handlungen Sicherheit sucht und mit zwei Jahren noch immer nicht sprechen kann, dann ist es Zeit für eine Untersuchung beim Kinderpsychiater.

Dieser stellt dann vielleicht die Diagnose "Frühkindlicher Autismus". Bei den Eltern löst dies häufig einen Gefühlsansturm aus. Frühkindlicher Autismus ist eine schwere Entwicklungsstörung.

Was ist frühkindlicher Autismus?

Der frühkindliche Autismus ist eine Störung des ZentralnervensystemsDer in Amerika lebende Kinder- und Jugendpsychiater Kanner beschrieb 1943 als erster die "frühkindliche Störung des affektiven Kontakts". Noch heute ist sie als "Kanner-Syndrom" bekannt.

Laut neueren Studien leiden von 10.000 Kindern 16,8 an frühkindlichem Autismus. Früher ging man von niedrigeren Werten aus.

Die Ursachen

Noch in den sechziger Jahren führte man diese Entwicklungsstörung vielfach auf ein falsches Verhalten der Mutter zurück.

Inzwischen ist klar, dass die Veranlagung zum Autismus genetisch bedingt ist. Auch Infektionen und andere schädigende Ereignisse vor, während oder nach der Geburt können die Entwicklung des Nervensystems beeinträchtigen.

Die Merkmale

Der frühkindliche Autismus macht sich innerhalb der ersten drei Lebensjahre bemerkbar.
Das kann bereits in den Wochen und Monaten nach der Geburt sein. Wie oben beschrieben, genießt das Baby beispielsweise beim Stillen nicht den Hautkontakt mit der Mutter, sondern ist nur auf das Saugen konzentriert. Es erwidert nicht den Blickkontakt oder wendet sich sogar ab, statt das Lächeln der Mutter zu beantworten.

Möglich ist auch, dass nach einer anfangs normalen Entwicklung sich beim Kind Auffälligkeiten zeigen. Das kann im Alter von zwei Jahren zum Beispiel das Sprechen betreffen. Doch auch wenn das Kind gelernt hat zu sprechen, kann der Umgang mit anderen Kindern oder Erwachsenen unbeholfen oder unangemessen wirken. Die altersgerechten sozialen Fähigkeiten entwickeln sich nicht.

Im Alter zwischen zwei und drei Jahren kann das Kind auch Rückschritte machen. Konnte es sich vorher recht gut verständlich machen, lässt diese Fähigkeit dann vielleicht nach. Es kapselt sich ab, interessiert sich weniger für seine Umwelt als zuvor, spielt lieber allein als mit anderen Kindern.

Die Diagnoseverzeichnisse ICD 10 und DSM-IV drücken das so aus:

  • die Kommunikation und wechselseitige soziale Aktionen sind qualitativ beeinträchtigt
  • Interessen sind eingeschränkt und stereotype Verhaltensmuster treten auf
  • diese Anzeichen zeigen sich vor Vollendung des dritten Lebensjahres.

Außerdem lt. ICD 10:

  • unspezifische Befürchtungen, Phobien
  • Wutausbrüche,
  • Selbstverletzungen, Schlafstörungen

Auswirkung der Symptome

Was sich so knapp und sachlich liest, ist eine große Herausforderung für die Eltern und das Umfeld des Kindes. Die Eltern leiden darunter, dass sie ihr Kind nicht verstehen. Panikattacken schaffen Unruhe, die Eltern müssen immer wieder neu herausfinden, was sie von ihrem Kind erwarten können, wie sie es erreichen. Das Kind ist häufig nicht in der Lage, emotional angemessen zu reagieren, es versteht die Sprache von Mimik und Gestik nicht, kann nicht auf sein Gegenüber eingehen. Es lebt in einer eigenen Welt.

So ist die soziale Entwicklung gestört, denn wer nicht mit anderen in Beziehung treten kann, der stößt seinerseits auf Unverständnis und auch Ablehnung.

Hilfe für autistische Kinder

Sobald die Diagnose gestellt ist kann der Arzt schauen, welche Behandlungsmethoden und Therapiekonzepte für das Kind geeignet sind. Jedes Kind ist in seiner Art ganz eigen, nicht jedes Kind hat alle Symptome in gleicher Weise ausgeprägt.

Hinzu kommt die unterschiedliche Entwicklung der Intelligenz, die von überdurchschnittlich bis gering alle Grade aufweisen kann. Die Messung der Intelligenz ist aufgrund der Symptome häufig recht schwer.

Malen, Schreiben, Sport und das Sprechen lernen sind Bestandteil der Förderung.

Es gibt viele Methoden, dem Kind den Zugang zu einer ihnen fremd erscheinenden Welt zu erschließen und seine Wahrnehmung zu schulen.