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Weiterbildung Autismus

Wenn Sie diese Seite gefunden haben und sich für die Weiterbildung Autismus interessieren, sind Sie über die Thematik schon grundlegend informiert. Daher wollen wir nur knapp die Begrifflichkeiten erörtern.

Was ist Autismus?

Die Begriffsdefinition gilt im Jahr 2015 als schwierig und unscharf, obgleich das klinische Bild, abgeleitet vom griechischen Wort für “selbst” - αὐτός - von der WHO als erhebliche Entwicklungsstörung anerkannt wird (ICD-10: F.84.0-9). Die Forschung ist sich über die grundlegende genetische und generische Basis inzwischen einig, Autismus ist als Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung angeboren. Die Symptome und der Umgang der Betroffenen und ihrer Umgebung unterscheiden sich jedoch stark. Es gibt Forscher und Autisten, die den angeborenen Informationsverarbeitungsmodus als “abweichend”, aber nicht als “krank” bezeichnen. Zwar gäbe es Schwächen bei der sozialen Interaktion und bei der Kommunikation, jedoch sind die Ausprägungen unterschiedlich, die Grenzen zwischen Asperger-Syndrom und Autismus fließend. Das lässt den Umgang mit Autisten hinterfragen, auch Therapie- und Förderansätze müssen fortlaufend überdacht werden. Die Weiterbildung Autismus wird unter anderem die diesbezüglichen Erkenntnisse aus aktuellster Sicht aufgreifen.

An wen richtet sich die Weiterbildung Autismus?

Das Seminar dient unter anderem als berufsbegleitende Maßnahme und richtet sich an Ärzte, Pädagogen und Erzieher sowie Psychotherapeuten mit entsprechendem verhaltenstherapeutischem Design. Bei der Teilnahme am Abschlusskolloquium und nach Vorlage einer Falldarstellung erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat. Die Module werden von Referenten mit anerkannter fachlicher Qualifikation durchgeführt, praxisbezogene Trainingselemente gehören dazu. Die Weiterbildung Autismus erhöht die diagnostische und therapeutische Kompetenz der TeilnehmerInnen.

Themenblöcke der Weiterbildungsmaßnahme Autismus

Unter anderem werden die nachfolgend genannten Themen und Schwerpunkte mit unterschiedlichem Gewicht abgedeckt:

  • Ätiologie, Neuropsychologie und Symptomatik bei autistischen Personen
  • Diagnostik: ADOS / ADI / CHAT / PEP / Früherkennung
  • Wahrnehmung und Verarbeitungsstörungen: Diagnostik und Therapie
  • Grundlagen der Autismustherapie: Videoanalysen / Therapiepläne / Eltern-Kind-Interaktion / Kontaktaufnahme / Datenerfassung
  • Methoden der Verhaltenstherapie: Einzellernprogramme / Aufbau einer Lernsituation / Methoden der Verhaltenssteuerung / Abbau von Störverhalten
  • Intervention bei Aggression, Stereotypien, Ritualen und Selbstverletzung
  • Spezielle Therapieverfahren wie TEACCH und AIT
  • Video-Interaktionstraining und Frühtherapie
  • Kommunikation (Sprachaufbau, Lese- und Schreibübungen, alternative Kommunikation)
  • Diagnostik der Asperger-Störung, spezielle Therapien und Sozialtraining
  • Elternarbeit: Alltagstransfer, Kooperation und Elterntraining

Vermittelte Sichtweisen im Weiterbildungsseminar Autismus
Neben den Grundlagen, dem Verständnis für das Problem- und Sozialverhalten von Autisten sowie der Förderplanung nach TEACCH geht es bei der Weiterbildung Autismus auch um das Verständnis der aktuellen Sichtweisen auf das Phänomen des Autismus, den einige Aktivisten gar nicht als Krankheit definieren möchten. Selbst Hans Asperger sagte 1968, ihm scheine ein “Schuss Autismus” für gewisse künstlerische und wissenschaftliche Höchstleistungen erforderlich zu sein. Der autistische Aktivist Jim Sinclair drückt es so aus: Autisten sind anders - aber was heißt das eigentlich? Wahrscheinlich ist ein Teil des Problems die Unruhe, welche die Diagnose “Autismus” inklusive der unübersehbaren Symptome bei den Eltern, weiteren Familienangehörigen, Freunden, Nachbarn und Betreuern auslöst. Die Therapie, so Sinclair, ziele daher immer auf die “Normalisierung” von Autisten, jedoch sei das kontraproduktiv, weil praktisch nicht möglich. Ein Arrangement zwischen Autisten und vermeintlich “normalen” Menschen erscheint aus gegenwärtiger Sicht wesentlich sinnvoller.
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